Bine ati venit! – Herzlich Willkommen, Sr. Ana!

2020-07-24 13:26

Sr. Ana von den Philippinen heimgekehrt.

Wir warten seit Monaten auf die Rückkehr von Sr. Ana nach Rumänien. Auf den Philippinen nahm sie an einem internationalen Kurs der Steyler Missionsschwestern teil, um junge Frauen in multikulturellen Gruppen in das missionarische Ordensleben einzuführen. Danach war sie zwei Jahre lang in San Mariano, Roxas, Ost-Mindoro, und teilte ihr Leben mit den dort ansässigen Mangyanen. Aufgrund der strengen Covid-19-Reisebeschränkungen war es für Sr. Ana lange Zeit nicht möglich, nach Hause zu kommen. Mit sehr viel Mühe hat sie es nun geschafft, einen Flug zurück nach Rumänien zu buchen. In ihrem Reisegepäck bringt Sr. Ana eine fundierte Ordensausbildung und einen reichhaltigen Erfahrungsschatz des Zusammenlebens in einer anderen Kultur.

Sr. Ana wurde freudig erwartet und herzlich empfangen.

 

 

Erfahrungsbericht von Sr. Ana von den Philippinen (September 2018):

Seit Mai gehöre ich zur Kommunität von drei Schwestern in San Mariano, Roxas, Ost-Mindoro, und teile mein Leben mit meinen geliebten Mangyanen. Sie sind so feine Menschen mit einem großen, liebenden Herzen, Menschen des Friedens und echter Gemeinschaft. Unsere Kommunität liegt ca. 20-30 Minuten Fahrweg mit dem Tricycle (Dreirad) von der nächsten Stadt Roxas entfernt. Wir brauchen auch ca. 30 Minuten bis zu einer Stunde Fahrt mit dem Motorrad und dann nochmals so lange Fußweg den Berg hinauf zu den verschiedenen Mangyan-Gemeinschaften. Einige Gemeinschaften sind sehr weit weg, sogar 4-6 Stunden Fußmarsch.

In San Mariano haben wir ein Internat, wo zurzeit 42 Mangyan StudentInnen von verschiedenen Mangyan-Gemeinschaften, die in den Bergen leben, untergebracht sind. Diese Kinder und Jugendlichen kommen von drei verschiedenen Stämmen aus den insgesamt 7 Stämmen von Ost-Mindoro. Sie gehen in die verschiedenen Schulen von San Mariano von der 7. bis zur 12. Klasse. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich meine Mission unter diesen Menschen als Apostolat der Präsenz. Ich beobachte und lerne viel von ihrer Einfachheit und Friedfertigkeit, von der liebenden Gemeinschaft und der aufmerksamen Sorge füreinander. Während des Tages, wenn die SchülerInnen in der Schule sind, mache ich verschiedene Hausarbeiten: nähen, Schuluniformen ausbessern, kochen und putzen. Am Abend helfe ich den SchülerInnen bei ihren Hausaufgaben, die meistens in Englisch sind.

Außerdem gehen wir Schwestern mit unserem Pfarrer mit, wenn er an den verschiedenen Orten die heilige Messe feiert. Das ist der Plan für jeden Donnerstag. Wir besuchen gewöhnlich 2 oder 3 Mangyan-Gemeinschaften in den Bergen. Im Ganzen sind es 11 verschiedene Orte mit Kapellen, die der Priester einmal im Monat an verschiedenen Donnerstagen besucht. Außer den Mangyan-Gemeinschaften hat der Priester noch 10 oder mehr Orte und Schulen in den Tagalog-Gebieten, wo er einmal in der Woche am Mittwoch oder Samstag die hl. Messe feiert. Manchmal denke ich, es wäre gut für ihn, wenn er jemand zum Helfen hätte, doch die Zahl der katholischen Priester in Mindoro ist wirklich klein. Unser Pfarrer ist 65 Jahre alt, aber er ist sehr flink, voll Energie und Liebe zu den Mangyanen und klettert gern die Berge hinauf. Wir Schwestern besuchen einige Gemeinden an Sonntagen für “Misa Biblia” oder Katechese als Vorbereitung für Taufe und andere Sakramente. Die Mitarbeit der Laien ist hier sehr gut organisiert. Es gibt in jeder Gemeinde wenigstens einen Katechisten, der die Misa Biblia vorbereitet und leitet sowohl in der Gemeinde, als auch an einigen Orten, die von der Pfarrkirche nicht weit entfernt sind. Sie bringen auch die hl. Kommunion zu den Menschen. Gott sorgt wirklich für Seine kleine Herde.

Ich bin so dankbar für diese Erfahrung, auch wenn ich noch wenig bei der Katechese helfen kann wegen der Begrenzung durch die Sprache. Wann immer möglich, begleite ich die Schwestern und den Priester, wenn sie zum Gebet und zur Kommunionfeier gehen. Hier inmitten der Mangyanen ist mir ein neues Gesicht von Gott offenbart worden, und das ist der DEMÜTIGE GOTT. In einer Gemeinde sieht der Ort für das Gebet aus wie damals in Betlehem, ein Platz für Ziegen, Schweine, Hunde und andere Tiere. Zuerst muss ein wenig sauber gemacht werden und dann feiern wir Misa Biblia. Mein Gott erfüllt mich mit Staunen und zeigt sein barmherzig liebendes Herz. Mehr als jemals zuvor erfahre ich, wie WAHR und NAHE das Wort Gottes ist.

Wenn wir zu den verschiedenen Gebieten gehen, müssen wir den Fluss durchqueren, denn die Mangyan-Gemeinschaften haben sich immer in der Nähe eines Flusses niedergelassen. Manchmal müssen wir denselben Fluss auf einem Weg mehr als 15 Mal durchqueren. In der Regenzeit ist der Fluss hoch, doch die Mangyans helfen uns; sie benutzen zum Durchqueren die Salva Vida (Rettungsring), denn die Brücken sind vom Wasser weggeschwemmt worden.

All die aufregenden Wirklichkeiten, denen ich begegne, wie auch die Herausforderungen und Kämpfe sind Teil meiner Missionserfahrung hier, wofür ich wirklich dankbar bin. Es sind hier viele Orte und Menschen, Aktivitäten und Projekte, die ich in meinem Prozess der Inkulturation kennen lernen soll. Manchmal bin ich verwirrt wegen der Verständigungsprobleme. Und die Herausforderung wird noch größer, da wir in den Bergen kein Internet haben und keine andere Art der Verbindung nach außen außer Gott, um mit ihm zu reden. Doch jeden Tag fühle ich mich ein wenig mehr zuhause. Und wenn ich die schwer arbeitenden Mangyanen anschaue, die den ganzen Tag in ihrer Kokosnussfarm oder Bananenfarm verbringen und dankbar sind, wenn sie genug haben für den gegenwärtigen Augenblick, jeweils für eine Mahlzeit, fordert mich das heraus.

Das tägliche Grundnahrungsmittel ist die Banane. Es gibt verschiedene Arten von Bananen, die gekocht oder roh gegessen werden. Bananen gibt es zu jeder Jahreszeit und das ganze Jahr. Andere Früchte sind saisonabhängig. Reis ist kostbar und wird nur selten oder im Rahmen von Ernährungsprogrammen gegessen. Sehr schmackhaft sind die zubereiteten, verschiedenen Arten von Gemüse, Blättern oder Wurzeln.

 

Sr. Ana SSpS

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