#einfach.solidarisch

2019-11-28 09:46

Die Herbsttagung der österreichsichen Orden stand unter dem Motto #einfach.

Von der Gratwanderung, wie die Vermittlung des christlichen Glaubens in eine Kultur wie jener von Papua-Neuguinea gelingen kann, berichtete die Ordensfrau und Missionarin Anna Damas beim Missionstag. Die Kirche müsse zu einem einfacheren Lebensstil finden, so Sr. Damas. Das gelte aber nicht nur für Papua-Neuguinea.

Anna Damas erzählte von vollen Kirchen und wissbegierigen Teilnehmern von Bibelkursen, zugleich aber auch von noch weit verbreitetem Glauben an Geister oder Polygamie. Die Kirche befinde sich zudem gerade in einem Prozess, in dem sie den Schritt von einer gönnerhaften reichen Institution, die über der Bevölkerungsmehrheit steht, zu einer Institution unternimmt, in der sich die Menschen selbst einbringen können.

Die ersten Missionare kamen erst im 19. Jahrhundert ins Land, viele abgelegene Regionen erreichten sie erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Steyler-Missionare bemühten sich um Papua-Neuguinea. Rund 30 Prozent der fast 8,5 Millionen Einwohner Papua-Neuguineas sind Katholiken, etwa 60 Prozent gehören anderen christlichen Konfessionen an. Neben der katholischen Kirche stark vertreten sind auch Lutheraner, Anglikaner und zahlreiche Freikirchen. Rund 850 verschiedene Sprachen - nicht bloß Dialekte - werden in Papua-Neuguinea gesprochen. Die kirchlichen Strukturen sind mit Europa nicht vergleichbar. Eine Pfarre bestehe in der Regel aus einer zentralen Station mit Kirche, zu der dann noch bis zu 30 Dörfern gehören, die zum Teil auch nur zu Fuß erreichbar seien, so Sr. Damas.

Anna Damas stammt aus Duisburg. Nach ihrem Theologiestudium machte sie zwischen 1998 und 2005 ihre Ausbildung zur Pastoralassistentin in der Diözese Aachen und war als Seelsorgerin in Mönchengladbach tätig. Von 2006 bis April 2019 war sie Missionarin in Papua-Neuguinea und dort vor allem für die pastorale und katechetische Ausbildung von Ordensleuten und Laien zuständig. Nunmehr arbeitet sie in Rom zur Geschichte und Spiritualität der Steyler Missionsschwestern und gehört der internationalen Arbeitsgruppe (SVD und SSpS) zur Interkulturalität an.

Die katholische Kirche setze sich sehr für die Inkulturation des Christentums in Papua-Neuguinea ein. Das unterscheide sie etwa auch von den evangelikalen Kirchen, die der einheimischen Kultur sehr abwertend gegenüberstehen würden. Vor allem in der Liturgie werde dies etwa in den unzähligen Prozessionen und Liedern deutlich.

Man müsse sich dessen stets bewusst sein, "dass schon unsere bloße Anwesenheit die Kultur der Einheimischen verändert", so Damas. Die Kulturen seien dabei immer im Fluss und die wirkmächtigste Veränderung gehe vom Internet aus. Seit rund fünf Jahren geben es im Hochland von Neuguinea Internet und damit verbunden fast flächendeckend Smartphones unter den Jungen. "Und schon nach drei Jahren ziehen sich etwa die jungen Mädchen ganz anders an als früher und tragen auch ihre Haare anders", berichtete die Missionarin.

Papua-Neuguinea sei auch nach wie vor eine stark von Männern dominierte Gesellschaft, so Sr. Damas weiter. Dementsprechend würden etwa auch Frauen als Katechistinnen nicht so gerne angenommen. Und Frauen würden während ihrer Menstruation auch immer noch als unrein angesehen.

Hinsichtlich des Geisterglaubens seien die Übergänge fließend, wenn etwa Krankheiten immer auch mit einer ganzheitlichen spirituellen Sicht wahrgenommen würden. Im Bibelunterricht gelte es etwa auch, Vorstellungen von der Bibel als "magischem Wort Gottes" entgegenzuwirken. Dass die Einheimischen hingegen weniger abstrakt als vielmehr in Geschichten denken, komme dem Charakter der Bibel wiederum sehr entgegen. "Der Wissensdurst der Leute ist riesengroß", so Sr. Anna.

Als wichtigsten Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung des Landes nannte die Ordensfrau Bildung. Und deshalb sollten die Kirchen und andere Hilfsorganisationen bei Projekten auch vor allem in Bildung investieren.

Im Verhältnis des Westens zu Papua-Neuguinea aber auch im Verhältnis der Kirche vor Ort zu den Gläubigen brauche es viel mehr Partnerschaft auf Augenhöhe, zeigte sich die Ordensfrau überzeugt. Die Kirche werde von den Menschen immer noch als reiche Patronin wahrgenommen, von der man versorgt wird, wenn man sich ihr "unterwirft" und loyal ist. Selbiges gelte, wenn man sich zur Realisierung von Vorhaben immer an den Westen um Geld wende. Diese Abhängigkeitsverhältnisse müssten überwunden werden.

Ein gravierender Kulturbruch war dabei die Einführung von Geld durch die Kolonialmächte und Missionare. Bis dahin gab es im Land eine reine Tauschkultur von in der Regel gleichberechtigten Partnern. Mit dem von außen gebrachten Geld und den Zuwendungen, die vor allem die Missionare ohne Gegenleistung erbrachten, seien die Menschen in Abhängigkeiten abgeglitten.

Eine große Herausforderung für die Kirche sei auch die Vermittlung bei Stammeskonflikten, die nach wie vor ein großes Probleme darstellen würden. Die Kirche werde als Friedensinstitution wahrgenommen, weil eine Pfarre immer auch mehrere der meistens sehr kleinen Stämme zusammenbringe, so die Ordensfrau..

Papua-Neuguinea sei zwar auf dem Papier ein demokratisches Land, doch die Menschen würden unter Demokratie etwas anderes als im Westen verstehen. Die Loyalität der Politiker gelte fast ausschließlich ihrem eigenen Clan, das Gemeinwohl spiele kaum eine Rolle. Freilich, bei der jungen Generation sei durchaus schon ein Umdenken spürbar, so Sr. Damas: "Sie denken etwa kritischer über die weit verbreitete Korruption oder das defizitäre Demokratieverständnis".

Bilder: Ordensgemeinschaften Österreichs, Magdalena Schauer
Text: Quelle: kathpress [mgsellmann]

 

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