gemeinsam – solidarisch- vernetzt - gegen Menschenhandel und Ausbeutung

2021-02-04 10:55

8. Februar: Internationaler Tag des Gebets und der Reflexion gegen Menschenhandel

Wir SSpS in Österreich engagieren uns gemeinsam mit Schwestern anderer Ordensgemeinschaften im Wiener Raum gegen Menschenhandel und Ausbeutung, denn Österreich ist Transit- und Zielland für Betroffene von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Ca. 95 % der Frauen in der Prostitution sind Ausländerinnen aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Nigeria, Tschechien, Slowakei, China, etc., und viele sind Opfer von Menschenhandel. Die Nachfrage der Männer in unserem Land nach „gekauftem Sex“ fördert den Markt. – Gemeinsam mit fünf anderen Gemeinschaften haben wir 2010 den Verein „SOLWODI Österreich“ gegründet und ein Schutzhaus für Frauen eröffnet, die aus der Prostitution aussteigen möchten; es bietet Platz für neun Frauen und deren Kinder. Dabei gilt der Einsatz besonders Frauen/Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel, sexueller Gewalt und Ausbeutung geworden sind. – SOLWODI (= Solidarity with women in distress – Solidarität mit Frauen in Not) wurde 1985 von Sr. Dr. Lea Ackermann in Kenia gegründet und setzt sich sowohl in Deutschland als auch in Rumänien für eine Verbesserung der Stellung von Frauen ein, die in ihren Heimatländern oder in Europa in eine große Notlage bis in die Prostitution geraten sind. – Als die Entscheidung fiel, dieses Schutzhaus für betroffenen Frauen und ihre Kinder zu eröffnen, verpflichteten sich viele Frauenorden durch einen Beschluss bei der Generalversammlung der VFÖ, dieses Projekt finanziell zu unterstützen. Einzelne Schwestern helfen persönlich mit durch Nachtdienste im Haus, wie unsere Sr. Maria Petra das in den ersten Jahren oft getan hat, bis es ihr gesundheitlich nicht mehr möglich war.

Mit dem Verein SOLWODI Österreich sind wir auch Mitglied bei der „Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel“, bei der sich VertreterInnen verschiedener Vereine und Organisationen regelmäßig treffen, die in diesem Bereich aktiv sind – auf der Straße, in den Bars, in Arbeitsprojekten mit den Frauen, in der Bewusstseinsbildung in Schulen und auf der Universität. – Durch diese Kontakte werden vermehrt Frauen an das Schutzhaus verwiesen, andere erhalten später die Möglichkeit, im Rahmen der Organisation „Hope for the future“ wieder in den Rhythmus einer regulären Arbeit zu finden. – 2019 haben wir einen ersten Studientag zum Thema „Menschenhandel“ organisiert; für 2021 ist einer zum Thema „Arbeitsausbeutung“ geplant, nachdem während des ersten Lockdown publik wurde, wie viele Menschen aus der Ukraine, aus Rumänien und Polen bei uns zu Niedrigstlöhnen in der Erntearbeit tätig sind, und während dieser Zeit in miserablen Unterkünften hausen (müssen). Da ist noch einiges an Bewusstseinsbildung notwendig!

Wichtig ist aber auch die Vernetzung und der Austausch auf europäischer Ebene durch die Mitgliedschaft bei RENATE (= Religious in Europe networking against trafficking and exploitation“, dt.: Ordensfrauen in Europa, die zusammenarbeiten gegen Menschenhandel und Ausbeutung). Dieses Netzwerk wurde 2009 von einer Gruppe Ordensfrauen aus verschiedenen Gemeinschaften als Vertreterinnen verschiedener Organisationen im Einsatz gegen Menschenhandel in Europa gegründet. Inzwischen sind RENATE-Mitglieder in 31 Ländern Europas mit 139 Organisationen gegen Menschenhandel tätig, und arbeiten mit vielen anderen Netzwerken innerhalb und außerhalb Europas zusammen. – Netzwerden ist wirklich eine „Spezialität“ von RENATE!

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