„Große Schwester“ Bernadette

2019-07-15 10:35

4. MaZ-Rundbrief von Bernadette aus Indonesien

Hallo Zusammen!

In einem Monat geht es für mich wieder zurück nach Hause. Am Anfang des Einsatzes wurde mir von einer Schwester gesagt: „Wenn Menschen hierherkommen, weinen sie zwei Mal: Am Anfang und wenn sie wieder gehen müssen.“ Dieses Sprichwort wird wohl auch auf mich zutreffen.

Ich durfte in dieser Zeit so vielen Menschen begegnen: Ich war in Schulen, Klöstern und Krankenhäusern, habe in einfachen Häusern irgendwo in den Bergen der Insel übernachtet und unzählige Stunden mit den Mädchen im Shelter von TRUK verbracht (Tim Relawan Untuk Kemanusiaan - Freiwilligenteam für die Menschheit; meine Einsatzstelle). Oft war es nur eine kurze Begegnung, aber mit vielen konnte ich eine echte Verbindung aufbauen. Das brauchte oft etwas Geduld und Zeit, sich über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg aneinander zu gewöhnen, aber inzwischen habe ich mich wirklich gut eingelebt.

Ich bin jeden Tag im Projekt, wo ich meistens beim Kochen helfe und Zeit mit den Mädchen verbringe: Wir basteln, lernen Englisch oder schauen uns ab und zu zusammen Videos an, Anfang Juni haben wir einen schönen Tag am Strand verbracht. Das Jahr brachte aber auch Begegnung mit Leid mit sich: Immer öfter durfte ich hinter die Fassade blicken und von Sorgen und Problemen der Menschen hören, oft im Projekt, manchmal auch außerhalb. Für dieses Vertrauen bin ich besonders dankbar.

Oft war auch gar nicht ich diejenige, die geholfen hat, es war viel mehr umgekehrt, dass ich oft Hilfe und Erklärung gebraucht habe und viel Unterstützung von den Menschen um mich herum erfahren habe.

Wir haben im Shelter noch einen Zuwachs bekommen: Ein zweites Mädchen hat ihr Kind bekommen und inzwischen sind zwei Babys und ein dreijähriger Junge hier. Er kann sich jetzt endlich meinen langen Namen merken ;-). Gerade vorher, während ich hier am Laptop sitze, ist er ins Büro gestürmt: „Kakak Bernadette!“ (Kakak bedeutet großer Bruder/große Schwester und wird immer als respektvolle Anrede für Leute verwendet, die etwas älter als man selber sind – auch ich nenne die Mitarbeiter so).

Das Jahr hat mir viele neue Perspektiven geschenkt. Neue Perspektiven auf den Glauben, auf das Leben zuhause: Sachen wie eine warme Dusche oder eine saubere Umwelt sind ein Luxus, den wir oft für selbstverständlich halten – aber letztendlich kommt es nicht darauf an, ob ich meine Wäsche in einer Maschine oder per Hand wasche (was ich das ganze Jahr getan habe).

Nächste Woche steht hier der letzte große Programmpunkt an: Fest zur Ewigen Profess und zum Professjubiläum zahlreicher Schwestern, danach werde ich mich langsam auf die Rückkehr nach zuhause vorbereiten – das wird wohl wieder ein ganz schöner Kulturschock werden.

Zum Schluss möchte ich euch allen nochmal für eure tolle Unterstützung danken! Ich durfte so viel Segen erfahren, sowohl finanziell als auch durch euer Gebet – Vergelt’s Gott.

Mit ganz herzlichen Grüßen aus Flores und auf ein baldiges Wiedersehen,
Bernadette

Den ganzen Rundbrief finden Sie ...hier

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