„Ich bin froh, dass ich gerade jetzt bei den Geflüchteten in Athen sein kann“

2020-03-31 17:25

Sr. Wiktoria berichtet aus Athen.

Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus mussten wir zuerst unsere Aktivitäten wie „Gemeinsames Teetrinken“ und das Unterrichten einstellen. Denn dort trafen sich immer große Gruppen von Menschen für Orientierung und Austausch. Unser Kleidershop und unser Tageszentrum für Frauen waren noch geöffnet. Leider musste Sr. Ada vorerst nach Österreich, da sie aufgrund ihres hohen Alters zur Risikogruppe gehört. Sr. Preethy kehrte wie geplant in ihrem Heimatprovinz nach Indien zurück und Sr. Carmen steckt in Rom fest und wartet auf eine Möglichkeit auszufliegen. Alle Freiwilligen von JRS (Flüchtlingsdienst der Jesuiten) mussten in ihre Länder zurückkehren, es war sehr schwierig für sie. Unsere neue MBB-Freiwillige (Steyler Freiwilligendienst) aus Russland war gerade in Athen angekommen und musste bereits am siebten Tag nach ihrer Ankunft nach Russland zurückkehren.

Deshalb haben Sr. Ewa und ich uns entschlossen, in Athen zu bleiben, auch wenn wir nicht direkt mit Flüchtlingen in Kontakt treten können. Wir hoffen, dass wir zumindest mit einfachen Medikamenten, Kleiderverteilung oder nur unserer Anwesenheit die Menschen unterstützen können. Da die Zahl der Infizierten jedoch ständig zunimmt, hat die Regierung beschlossen, die vollständige Ausgangssperre durchzuführen. Ab dem 23. März kann also niemand mehr ohne besondere Erlaubnis das Haus verlassen. Wir mussten für diese Zeit alle Aktivitäten einstellen und in das Haus der Jesuiten ziehen. Natürlich sind die Flüchtlinge, insbesondere Obdachlose und Menschen in den Lagern, in dieser Situation am gefährdetsten, da sie sich auch nicht frei in der Stadt bewegen und so keine Hilfe von NGOs erhalten können, nicht einmal Lebensmittel. Es ist gibt auch die Angst, dass das Virus in die Lager gelangen könnte. Tausende würden sich innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden infizieren und es wird unmöglich sein, ihnen zu helfen. Wir beten darum, dass Gott sie besonders beschützt und hoffen auf ein Wunder.

Bis heute hatten wir 695 Fälle und keiner davon war ein Geflüchteter (Stand 24. März). Es gibt auch Corona-Infizierte auf Lesbos, dort leben mehr als 20.000 Menschen im Lager Moria. Und natürlich sind dies nur die offiziellen Daten, die Dunkelziffer ist sicher viel größer. Im Moment können wir also nur beten.

Bevor dies alles passierte, fing ich an, Puppen in unserem ukrainischen Stil für Kinder herzustellen, da wir nicht viele Spielsachen für sie bekommen und die Kinder nichts zum Spielen haben. Die Kinder waren begeistert von diesen einfachen Spielsachen. Jetzt setzen wir diese Aktivität mit der Hoffnung fort, dass wir sehr bald auf die Straße gehen und sie an die Kinder verteilen können, um ihnen ein bisschen mehr Freude zu bereiten. Wir versuchen auch, den Englischunterricht online fortzusetzen, Videos zu erstellen und sie auf JRS Facebook zu veröffentlichen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass viele unserer Schüler keinen Zugang zum Internet haben und jetzt noch grundlegendere Bedürfnisse wie Lebensmittel, Kleidung und Medizin haben.

Leider sind wir im Moment hilflos. Wir vereinen uns mit allen Menschen guten Willens und bitten Gott weiterhin, diese Krankheit zu beenden, um insbesondere diejenigen zu schützen, die außer IHM allein keine andere Unterstützung und keinen anderen Schutz haben. Er wird seine Kinder nicht verlassen. Und wir freuen uns, dass wir hier sind. Für mich persönlich war es eine Einladung wie an Abraham, mein Land und meine Heimat, die Ukraine, zu verlassen und in das Land zu gehen, das Gott mir zeigen wird. Griechenland ist vorerst mein gelobtes Land und ich bin froh, dass ich auch in dieser schwierigen Zeit hier sein kann.  


(Foto: Sr. Wika mit einer selbstgemachten Puppe im ukrainischen Stil, von SSpS)

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