Ich gehe von einer Heimat in die andere.

2019-07-10 09:45

4. MaZ Rundbrief von Johanna aus den Philippinen

Liebe Freunde und Bekannte,
mein Aufenthalt auf den Philippinen neigt sich dem Ende zu. So schnell ist dieses Jahr vergangen. Ich habe sehr viel gelernt und durfte ganz viele besondere Menschen kennen lernen.

Ich hatte eine sehr schöne und erfüllte Zeit in Mindoro mit den Mangyans (Indigene in Mindoro). Dort habe ich in einem Internat für High School Students gelebt und bin mit drei Schwestern regelmäßig in die Berge zu den Communities gefahren. Ende Mai bin ich schon zurück nach Manila gekommen, um noch genug Zeit für das Exit Clearance und andere organisatorische Dinge zu haben. Jetzt bin ich auch wieder regelmäßig in unserem Social Center „Mapalad“.
Außerdem hatte ich die Freude, noch einmal zu meinen Aeta-FreundInnen nach Tarlac zu fahren. (Aeta=älteste indigene Gruppe auf den Philippinen) Als ich zu Besuch war, gab es gerade eine „Medical Mission“. Einige Ärzte und Nurses (Krankenschwestern) aus Manila haben sich zusammengetan, um kostenlos Untersuchungen und Behandlungen anzubieten und bei Bedarf Medikamente zu verteilen.

Zusammen mit einer anderen MaZ aus Deutschland, die in den Visayas in der amerikanischen NGO „Little Children of the Philippines“ arbeitet, konnte ich auch den Norden der Philippinen etwas erkunden. Wir besuchten einen SVD Priester, der in der Bergprovinz Ifugao lebt und wir hatten die Möglichkeit, die über 2000 Jahre alten und atemberaubenden Reisterrassen zu bewundern.

Eine Geste, die ich persönlich sehr schön finde, ist das „Mano po“ oder auf Taglish „Bless po“. (Mano=Bless=Segen, po=Wort, um Höflichkeit auszudrücken) Sie wird vor allem bei Begrüßungen oder nach der Heiligen Messe als Zeichen des Respekts und der Bitte um den Segen praktiziert. Dabei wird die Hand der Respektsperson (meistens sind dies Eltern, Großeltern, Geistliche, oder Lehrer) mit den Worten „Bless po“ zur Stirn geführt. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, mich auch „blessen“ zu lassen. Damit stoße ich auf erfreute Gesichter, die meinen, dass ich jetzt schon eine Filipina wäre. Manchmal kommt es auch vor, dass sich Kinder von mir „blessen“ lassen.

Rückblickend wird mir bewusst, dass ich viel mehr gelernt habe, als ich jemals lehren konnte. Ich habe viel mehr empfangen, als ich je schenken könnte.

Nun ist es an der Zeit mich von diesem Ort zu verabschieden und ich kann sagen: Ich gehe von einer Heimat in die andere.

Johanna

Den ganzen Rundbrief finden Sie ...hier

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