Masken-Nähprojekt an der Universität von Madang/Papua Neuguinea

2020-10-23 11:27

Sr. Monika berichtet von ihrer Arbeit als Counselor.

Seit Januar arbeite ich an der Divine Word Universität in Madang als Counselor (Beraterin). Die Aufgabe fordert mich und erfüllt mich. Es freut mich, wenn ich erleben darf, dass es StudentInnen oder Angestellte besser geht, sie Lösungen finden in Lebenskrisen oder wieder besser schlafen, normal essen, sich konzentrieren können oder wieder mehr lachen. Der Start war nicht einfach, da ich ja gerade erst mein Studium abgeschlossen hatte und nun in der Melanesischen Kultur umsetzte, was ich auf den Philippinen gelernt habe. Am meisten vermisse ich die Supervision, aber allmählich wird es einfacher, da ich mehr Erfahrung gesammelt habe. Counseling hat in PNG immer noch einen negativen Beigeschmack und so war es vor allem durch Mund zu Mund Propaganda meiner Clienten, dass mehr und mehr StudentInnen um Counseling Sessions angefragt haben. Darüber hinaus habe ich mich auch von meiner Seite darum bemüht, verschiedenste Kontakte zu knüpfen. Der Coronavirus hat mir dazu genügend Gelegenheiten verschafft:

Vor Ostern haben auch wir hier in PNG die ersten Warnzeichen der Epidemie mitbekommen. Über fünf Wochen hatten wir lock-down und durften nicht unterrichten. Das hat allerdings nicht sehr viel gebracht, da wir 1800 StudentInnen in Wohnheimen auf dem Campus haben. Sie schlafen in Mehrbettzimmern und benützen Gemeinschaftsduschen und Toiletten und eine gemeinsame Mensa. Abstandhalten und Händewaschen waren die einzigen Maßnahmen die wir einigermaßen einführen konnten.

Um den Unterricht wieder starten zu dürfen, hatten wir die Auflage, dass die StudentInnen Masken tragen müssen. Die wenigen Papiermasken waren in der Stadt schnell ausverkauft und waschbare Masken gab es nicht zu kaufen. So habe ich meine ersten Modelle nach deutscher Nähanleitung angefertigt und dann ein Team von Näherinnen angestellt. Unser Startkapital waren Spendengelder. Davon konnten wir fünf Stoffballen kaufen, Berge an Secondhand Leintücher für die Streifen zum Binden, Fäden, Maschinenöl und Nadeln. Die Uni hat drei Nähmaschinen gestellt und wir haben weitere Maschinen ausgeliehen. So haben wir zwischen Ostern und Pfingsten 5100 Masken genäht.

Jeden Abend hat eine andere Gruppe StudentInnen die Materialien zugeschnitten, die unsere neun Näherinnen dann vernäht haben. Meine deutsche Kollegin hier an der Uni besitzt die einzige Waschmaschine die auf 60°C waschen kann und so hatte sie täglich einen Berg Wäsche. Unser Ziel war es, hochwertige saubere Masken auszugeben, die einige Monate überleben. Mir war die Projektleitung anvertraut, was meine freie Zeit neben meiner Vollbeschäftigung als Counselor ausgefüllt hat.

An den Samstagen waren die Einkaufsfahrten, von Montag bis Freitag habe ich in der Mittagspause mit den Näherinnen Kontakt gehalten, nach Feierabend die fertigen Masken gezählt und zum Waschen gebracht, dann die gewaschenen Masken sauber in Kisten verpackt und abends mit den StudentInnen die Materialien zugeschnitten. Es war eine hektische Zeit, aber auch eine gute Gelegenheit, verschiedenste Menschen besser kennenzulernen. Vor Pfingsten waren wir dann soweit, dass wir genügend Masken hatten, um jedem Studenten zwei zu geben. Darüber hinaus haben wir noch Masken für die Angestellten genäht, die sie für PGK 3 kaufen konnten.

Unser Projekt hat schnell Nachahmer gefunden. Von der Diözese kamen interessierte Frauen, die wir angelernt haben. Nach und nach haben die Pfarreien entlang der Nordküste bis zum Sepikgebiet das Nähen begonnen. Inzwischen gibt es überall selbstgenähte Masken zu kaufen, aber die Qualität lässt leider oft zu wünschen übrig.

Hier in Madang wird nach wie vor kaum jemand getestet. Die Universität hat zwei zusätzliche Krankenschwestern angestellt und ein Testcenter gebaut, aber die Regierung hat uns bislang nur zehn Testkits gegeben. Viele StudentInnen haben Schnupfen, Husten und einige klagen über Fieber und Kopfschmerzen, aber zum Glück ist bisher niemand ernsthaft krank geworden. Ähnliche Beobachtungen werden auch von anderen Provinzen berichtet und so hatten wir bisher nur sieben bestätigte Todesfälle. Unsere internationalen Grenzen waren seit März weitgehend dicht und unsere Insellage und das heiße Klima hat uns bisher wohl auch geholfen.

Über Weihnachten haben wir jetzt allerdings große Ferien und unsere StudentInnen fahren und fliegen alle nach Hause. Was das Im Februar bedeutet, wenn das neue Studienjahr beginnt, wissen wir noch nicht. Wahrscheinlich wird der eine oder andere Student oder Angestellte Corona-positiv zurückkehren und es wird dann schwer werden, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Ich danke Euch / Ihnen allen für die herzliche Verbundenheit und Unterstützung. Gerade in dieser Zeit der Epidemie ist es so wichtig dass wir füreinander beten. Wir nehmen Sie mit ins Gebet und bitte beten Sie auch für uns.

Sr. Monika SSpS

 

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