Solidarität mit Ausgegrenzten ist zentrale Weihnachtsbotschaft

2018-12-18 15:06

Die Steyler Missionsschwestern unterstützen den Offenen Weihnachtsbrief der Katholischen Frauenbewegung Wien an die Bundesregierung. „Wir haben keine Angst – aber wir sind besorgt“, ist die Botschaft.

Die Katholische Frauenbewegung Wien wendet sich mit einem offenen Brief an die Österreichische Bundesregierung. „Sehr geehrte Bundesregierung, wir denken, dass auch für Sie der Einsatz für ein gutes Leben aller die Grundlage Ihres politischen Handelns ist“, so die Hoffnung der kfb Wien und aller diesen Brief unterstützenden christlichen Organisationen. „Wir erwarten uns, dass Sie unsere Sorge um den guten Weg in die Zukunft unseres Landes ernst nehmen!“ Die Steyler Missionsschwestern sind durch ihr Engagement für weltweite Gerechtigkeit mit der Katholischen Frauenbewegung verbunden und teilen auch ihre Hoffnungen und Erwartungen an die österreichische Bundesregierung. Hier der vollständige Brief der kfb Wien und anderer unterstützender Organisationen.

„Fürchtet euch nicht!?“ Offener Weihnachtsbrief an die Bundesregierung

Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung, 

wir Christinnen und Christen hören in unseren Kirchen im Advent die prophetischen biblischen Schriften, die unsere soziale Verantwortung einfordern. Die Herbergssuche, die Geburt in einem Stall, die Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten und das Wort des Engels „Fürchtet euch nicht“ machen uns deutlich, dass Solidarität mit den Armen und Ausgegrenzten die zentrale Botschaft unseres Glaubens ist. Wir Frauen der Katholischen Frauenbewegung der ED Wien leben diese Botschaft in unseren Pfarren und Gemeinden, in Kirche und Staat und auch - durch unser entwicklungspolitisches Engagement - weltweit. Das verpflichtet uns, gerade zu Weihnachten unseren Sorgen Ausdruck zu verleihen.

Wir haben keine Angst vor Flüchtlingen und vor einer geordneten Zuwanderung. Aber wir sind besorgt, dass eine unbarmherzige Politik Egoismus und Fremdenfeindlichkeit fördert! 

Wir haben keine Angst vor sozialen „Durchschummlern“! Aber wir sind besorgt, dass sich Konzerne und reiche MitbürgerInnen durch Steuervermeidung und Steuerflucht ihrer sozialen Verantwortung entziehen. 

Wir haben keine Angst vor dem Migrationspakt der UNO! Aber wir sind besorgt, dass Österreich wegen nationalistischer und populistischer Überlegungen sein internationales Renommee verliert. 

Wir haben keine Angst vor einer deutlichen Arbeitszeitverkürzung! Sie ermöglicht es, unbezahlte Arbeit zwischen Frauen und Männern gerechter zu verteilen. Aber wir sind besorgt, dass die sozialen Kosten der Ausweitung des 12- Stunden-Tags und der 60- Stunden-Arbeitswoche wieder von Frauen getragen werden müssen. 

Wir haben keine Angst vor der Stärkung des Sozialstaats! Aber wir sind besorgt, dass die Reform der Sozialversicherungen nur im Bereich der Arbeitnehmenden durchgreift und deren Interessen in den diversen Gremien schmälert. 

Wir haben keine Angst vor Veränderungen durch einen umweltfreundlichen Lebensstil! Aber wir sind besorgt, wenn zukünftige Überlebensfragen hinter Wirtschaftsinteressen gestellt werden. 

Wir haben keine Angst vor einer Bevorzugung der armen Länder in internationalen Handelsverträgen! Aber wir sind besorgt, dass in sogenannten Partnership-Agreements vorwiegend die Interessen der reichen Länder wahrgenommen werden. 

Wir haben keine Angst vor der Erhöhung der Finanzmittel für die Entwicklungszusammenarbeit! Aber wir sind besorgt, dass es dabei vorwiegend um Exportförderung österreichischer Unternehmen geht.

Sehr geehrte Bundesregierung, wir erwarten uns, dass Sie unsere Sorge um den guten Weg in die Zukunft unseres Landes ernst nehmen! Wir denken, dass auch für Sie der Einsatz für ein gutes Leben aller jetzt und auch in Zukunft, die Grundlage Ihres politischen Handelns ist und freuen uns auf Ihre Antwort.

Franziska Berdich und Christine Saliger für die Diözesanleitung der kfb Erzdiözese Wien

Provinzleiterin Sr. Hemma Jaschke SSpS für die Steyler Missionsschwestern

Der Brief zum Download

Die kfb Wien, die Steyler Missionare und Missionsschwestern laden Einzelne, Gruppen und Organisationen ein, den Brief ebenfalls an die Mitglieder der Bundesregierung zu schicken.

Mögliche Adressaten unter anderen:

Herr Bundeskanzler
Sebastian Kurz
Bundeskanzleramt
Ballhausplatz 2
1010 Wien
E-Mail kabhbk@bka.gv.at

Herr Vizekanzler
Heinz-Christian Strache
Bundesministerium für Öffentlichen Dienst und Sport
Minoritenplatz 3
1010 Wien
E-Mail hc.strache@fpoe.at

(Für Niederösterreich:)
Frau Landeshauptfrau
Johanna Mikl-Leitner
Landhausplatz 1, Haus 1
3109 St. Pölten
E-Mail lh.mikl-leitner@noel.gv.at

Bild: Connect Mödling, #ZusammenHaltNÖ

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