Sr. Maria Chiara sendet Weihnachtsgrüße aus Roman

2021-12-22 15:19

Im Stall von Bethlehem geschah das Wunder der Liebe und des Lebens.

Als ich im Oktober aus meinem Urlaub in Südtirol zurückkam, hatte die Schule trotz Pandemie schon längst begonnen. Voll Freude begrüßten mich die Kinder, als ich am ersten Tag wieder zu ihnen in der Klasse kam. Zu meiner Überraschung waren alle zwanzig Kinder anwesend. Keiner fehlte. Das kommt ja selten vor. Fast jeden Tag fehlt das eine oder andere Kind. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Madălin erzählte mir, dass er zwei Tage fehlte, weil sein Bruder seinen Geburtstag gefeiert hat. Dann passiert es auch, dass der Schulbus versäumt wird, weil sie verschlafen haben. Ein anders Mal finden sie in der Früh ihre Schuhe nicht oder haben manchmal keine oder auch keine saubere Kleidung, weil die Mutter sie erst waschen muss. Wie auch immer, die Kinder kommen gerne zum Sozialzentrum, weil sie spüren, dass sie von ihren Betreuern liebevoll umsorgt und angenommen werden.

Berührt hat mich, wie der Lehrer Rareş vor kurzem freudestrahlend erzählte, dass die kleine Denissa, die sich in Mathematik so schwertut, alle Rechnungen allein und ganz richtiggemacht hatte. Das war wirklich ein Erfolgserlebnis für den Lehrer und das Mädchen! Mit Engagement für die Kleinen setzen sich auch die Sozialarbeiterin und die Kindergärtnerin ein, die mit Schulbeginn bei der Fundaţia neu eingestellt wurden.

Um die Kinder beim Lernen mehr unterstützen zu können, haben wir seit November wieder mit dem Nachhilfeunterricht begonnen. Da bin ich jeden Tag dabei und nehme mich der „Lernschwächsten“ an. Ich helfe ihnen beim Schreiben, vor allem aber in Mathematik. Selbst die Kindergartenkinder können am Nachmittag im Sozialzentrum zum Spielen, Zeichnen und Malen bleiben.

Nicht so gut haben es die Roma-Kinder, die vor der Pandemie vom orthodoxen Priester Mihai Popovici uns seiner Frau Anca in unserem alten Haus liebevoll betreut wurden. Da die Räume für die 40 Kinder, die zum Nachhilfeunterricht kamen, zu klein sind, haben sie vom Gesundheitsinspektorat noch keine Erlaubnis erhalten, das Zentrum wieder zu öffnen und mit den Aktivitäten zu beginnen. Frau Anca betreut jedoch kontinuierlich die Familien und ermutigt vor allem die Eltern, sich um die Kinder zu kümmern. An jedem Monatsende beschenkt Frau Anca die Familien mit einem Lebensmittelpaket. Auch werden arme Familien, alte, kranke und alleinstehende Menschen in mehreren Dörfern rund um Roman betreut. So teilen wir mit Familie Popovici auch einen Teil der Unterstützung, die wir von Euch so großzügig erhalten. Deshalb auch von ihnen ein großes „Danke!“

Besonders bewegende Worte schrieb eine junge Familie mit sechs Kindern, als sie heuer im Sommer dank Eurer Unterstützung das löchrige Dach völlig renovieren konnten. Im Wohnzimmer und in der Küche mussten sie immer das Regenwasser in Kübeln auffangen. Die Wände waren feucht und schimmelig. Vasilica, die junge Familienmutter schreibt so in ihrem Dankbrief: „Es ist wie ein Traum, kein Regenwasser mehr im Haus zu haben! Wir finden nicht genügend Worte, um Euch zu danken. Gott möge es Euch lohnen und Euch segnen und beschützen. Wir danken Euch so sehr!“

Wie im letzten Jahr besuche ich auch heuer wieder jeden Mittwoch mit der neuen Sozialarbeiterin Gabriela Familien im Olympiadorf. Letzte Woche besuchten wir eine Familie, deren junge Mutter vor Kurzem ihr achtes Kind geboren hat. Als ich den unvorstellbar miserablen Wohnraum der Familie betrat und eines von den jüngeren Geschwistern den kleinen neugeborenen Samuel liebevoll und zugeneigt in ihren Armen halten sah, war bei mir plötzlich dieser Gedanke da: wie im Stall von Bethlehem. Das Wunder der Liebe und des Lebens geschah auch hier in dieser armen und ausgesetzten Familie. Wo und wie auch immer, unabhängig vom Lebensraum oder Umgebung, zeigt sich der Herr unauffällig in Schwachheit und Demut, in Armut und Ausgegrenzt-Sein unserer Mitmenschen, unserer verwundeten Welt.

Liebe Missionsfreunde, in wenigen Tagen feiern wir Weihnachten, das Wunder des Lebens, der menschgewordenen Liebe Gottes, die für uns in die Welt gekommen ist. Von Herzen wünsche ich Euch allen, auch im Namen meiner Mitschwestern, ein frohes Weihnachtsfest. Mögen unsere Herzen mit der Erfahrung Seiner Liebe und Seines Lebens erfüllt sein! Gottes Frieden und Hoffnung mögen Euch durchs Neue Jahr 2022 begleiten!

Mit einem tiefen DANK für all Eure missionarische Unterstützung sind wir mit Euch im Gebet verbunden,

Sr. Maria Chiara und Mitschwestern

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