MaZ-Berichte

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MaZ-Bericht von Magdalena aus Argentinien, 3.1.2012

Mein Leben am anderen Ende der Welt

Erste Eindrücke und Erfahrungen

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Es ist schon eine ganze Weile her, als ich mich zu dem fernen Kontinent Südamerika auf den Weg gemacht habe. Mein Ziel hieß Argentinien, Provinz Chaco, Stadt Resistencia. Rückblickend kann ich sagen, Resistencia erweist sich als resistenter :) , als ich mir dachte. Es ist echt schwierig, diese harte Nuss zu knacken, doch so schnell gebe ich mich nicht geschlagen.

Es zeigt sich als doppelte Herausforderung, da an dieser Stelle noch nie zuvor eine MaZlerin eingesetzt war, also ist es nicht nur für mich sondern auch für die Schwestern eine total neue Situation.

Am 8. Sept. 2011 musste ich von meiner gewohnten Umgebung, meiner Familie und Freunden Abschied nehmen. Viele Gefühle strömten in den Stunden des Abschieds und der Reise auf mich ein, Freude, Neugierde, Trauer/Abschied, Angst, Ungewissheit. Ich bin davon überzeugt, dass die Kraft für diesen Aufbruch nicht nur von mir kam, sondern die wurde mir von Gott geschickt.  Noch nie hatte ich mich einer solch großen Herausforderung gestellt!

Die ersten drei Wochen verbrachte ich in der Hauptstadt Buenos Aires, wo ich einen Sprachkurs besuchte.  Nach  14-stüdiger Busfahrt bin ich dann endlich am 3. Oktober an meinem Einsatzort, in Resistencia, in der Provinz Chaco angekommen. Dort wurde ich dann erstmal von den drei Steyler Missionsschwestern, zwei Argentinierinnen und einer Indonesierin,  willkommen geheißen. Gemeinsam leben wir hier in einem einfachen, bescheidenen Häuschen, etwas außerhalb vom Zentrum, im Bezirk Guiraldes.

Die ersten drei Monate waren schwierig, aber zugleich auch aufregend, denn alles war neu für mich. Ich merkte schnell, dass ich die hohen Erwartungen und Ansprüche, die ich an meinen Einsatz hatte, erstmal beiseite schieben musste und versuchen, mich in Geduld zu üben. Ständig erklang das Wort „Geduld" in meinen Ohren und ich bekomme es immer noch zu hören, denn für mich stellt das eine der größten Herausforderungen dar. Ich, als Europäerin, kam aus einem prall gefüllten Alltag hier an und konnte erstmal mit meiner freien Zeit überhaupt nichts anfangen. Ich wollte arbeiten, konnte aber erstmal nichts tun. Nach einiger Zeit des Stillstandes (arbeitsmäßig), versuche ich nun, meine freie Zeit auch für mich zu nutzen, und so bin ich gerade mit voller Freude dabei Gitarre zu lernen. Ich habe das Glück, gute Freunde gefunden zu haben, die mich auch gerne unterstützen. Ein Freund, der auch den Jugendchor leitet, hat  sich bereit erklärt, mir Stunden zu geben.

Ein Projekt, in dem ich arbeite ist der Comedor (ein Ort für Ausspeisung). Dieser Comedor wurde von den Schwestern, gemeinsam mit der Caritas, ins Leben gerufen. Dieser befindet sich in einer sehr armen Gegend sehr weit draußen aus der Stadt. Hier kommen täglich so um die 80 Kinder zum Mittagessen, das von den Frauen gekocht wird. Ich versuche, mit den Kindern zu basteln und zu spielen. Da die Kinder teilweise aus sehr schwierigen Verhältnissen kommen und oft keine richtige Familie haben oder diese sich nicht gut um sie kümmern, kennen sie es gar nicht, dass jemand mit ihnen ihre Freizeit gestaltet und so braucht es echt sehr viel Geduld, sie mit einem Programm vertraut zu machen. Die Kinder sind total zugänglich und herzlich, aber natürlich auch richtige "Schlawiner" -   Kinder eben! Für Mitte Jänner habe ich mir vorgenommen, drei Bastelgruppen unterschiedlicher Altersstufen zu je 15 Kindern im Comedor einzurichten. Somit kann ich besser auf die Kinder und deren Fähigkeiten eingehen, was natürlich auch für mich einfacher ist. Gezielt versuche ich, aus Naturmaterialen oder sogar auch aus Müll schöne Dinge zu basteln. Dadurch sehen die Kinder, was man aus Müll alles zaubern kann und betrachten den Abfall aus einem ganz anderen Blickwinkel. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen bekomme ich das bestimmt hin. Ich hoffe, dass die Kinder diese Möglichkeit auch wahrnehmen.

Die Kirche des Bezirkes Guiraldes nennt sich San Pedro, was ich total witzig finde, denn auf Deutsch heißt das nichts anderes als mein Heimatort, nämlich St. Peter. Es gibt hier sehr viele verschiedene kleine Kirchen. Jede davon hat ihre eigene Jugendgruppe; ich gehöre zu der "Grupo Juvenil San Pedro", also zu der Jugendgruppe hier gleich in meiner Nähe. Ich erfahre sehr viel Gemeinschaft, Respekt und Toleranz. Jeder einzelne wird mit seinen eigenen Fähigkeiten respektiert. Für mich ist das ein total schönes Gefühl und ich bin gerne mit den Jugendlichen zusammen. Jeden Sonntag haben wir eine "reunión" (ein Treffen): in der wird sehr viel mit der Bibel gearbeitet, beisammen gesessen - um Tereré oder auch Mate zu trinken - gemeinsam gebetet, gegessen, oder Volleyball gespielt. Das UNO-Spiel, das ich aus Österreich mitgenommen habe, ist sehr beliebt und macht den Jugendlichen hier echt Spaß. Manchmal treffen wir uns auch einfach um z. B. gemeinsam die Kirche zu putzen.

Vor ein paar Wochen ist hier ein Haus völlig ausgebrannt. Die Familie, die darin lebte, steht jetzt vor dem Nichts. Ich hatte die Idee, gemeinsam mit der Jugendgruppe Weihnachtsstiefelchen zu basteln, um sie dann in der Kirche zum Verkauf anzubieten. Das dabei eingenommene Geld kam dann dieser Familie zugute, quasi als unser Weihnachtsgeschenk.

Außerdem bilden wir auch einen Jugendchor. Die Lieder die wir einstudieren, werden dann am ersten Wochenende jedes Monats in der Kirche gesungen.

Man kann sagen, dass unsere Jugendgruppe sehr aktiv ist. Im Advent waren wir unterwegs auf Mission, das bedeutet wir gingen von Haus zu Haus, um mit den Familien zu beten und sie einzuladen in die Kirche zu kommen. Wir waren in verschiedenen Bezirken unterwegs, einer davon ist sehr sehr arm. Oft sind die Häuser einfach nur aus Wellblech irgendwie zusammengebastelt. In der Regel haben hier die Familien so um die vier/fünf Kinder und alle zusammen teilen sich einen einzigen Raum. 

Weiters haben wir auch ein Krippenspiel einstudiert, das wir in der Adventzeit in der Pfarre aufgeführt haben und das ein ein voller Erfolg geworden ist.

Oft treffen wir uns  bei irgendjemandem zu Hause, um einfach nur zu plaudern, Tereré zu trinken oder auch gemeinsam zu kochen, z. B. Empanadas - meine Lieblingsspeise. Das sind Teigtaschen, die mit verschiedenen Dingen gefüllt werden, wie z. B. Fleisch, Schinken und Käse, Fisch, Hühnchen, oder auch vegetarisch. Viele  hier wissen schon von meiner Lieblingsspeise und kochen  deshalb manchmal extra für mich Empanadas, um mir eine Freude zu machen. Ab und zu koche auch ich etwas Typisches aus meiner Heimat und stelle erfreut fest, dass es den Leuten schmeckt!

Um noch ein bisschen etwas von der Kultur der Menschen zu berichten, erzähle ich von dem heißbegehrten Mate. Das ist das argentinische Nationalgetränk und ist somit ein wichtiger Teil im alltäglichen Leben. Die Yerba (eine Art Kräuter) wird immer wieder mit heißem Wasser aufgegossen und anschließend getrunken. Das wird solange gemacht, bis die Blätter keinen Geschmack mehr haben. Man benötigt dafür nur ein Trinkgefäß, auf Spanisch „el mate", und einen Metallstrohhalm „la bombilla" mit Filter, damit man die Yerba nicht mittrinkt. Im Sommer, wenn es so richtig heiß hier ist, wird die Yerba nicht mit heißem Wasser sondern mit Saft getrunken, das nennt sich dann Tereré und ich bin ein totaler Fan davon.  Das schöne an dieser Kultur ist, dass  mit anderen geteilt wird, denn in der Regel wird Mate oder auch Tereré in der Runde getrunken.

Des Weiteren sind die Argentinier bekannt für ihren hohen Fleischkonsum. Ein typisches Gericht ist das „Asado" (Gegrilltes). Dieses beliebte Gericht darf vor allem an besonderen Festtagen, wie Weihnachten, Silvester, Geburtstagen nicht fehlen. Die Argentinier sind totale Familienmenschen und eine besonders schöne Tradition ist, dass sie sonntags meist alle zusammenkommen um Asado zu essen, um zu plaudern und einfach beisammen zu sein. Anfangs war ich nicht sehr begeistert von diesem Gericht, doch mittlerweile konnte ich mich, nach mehrfachen Verkostungen, etwas damit anfreunden. Ich wurde schon ein paar Mal von Familien eingeladen, um mit ihnen den Sonntag zu verbringen und Asado zu essen. Mir gefällt das immer so gut, dass ich natürlich auch zum Asado nicht nein sage und es gerne esse. Es ist schön zu sehen, dass die Familie hier so groß geschrieben wird und man sich füreinander so viel Zeit nimmt.

Was kann ich noch über mein Umfeld sagen? Sehr vieles ist anders als bei uns daheim - das ist klar. Ein großes Problem hier ist der viele Schmutz auf den Straßen. Das liegt daran, dass einfach alles auf dem Boden landet und der Abfall, der in den Müllcontainern ist, oft von den vielen Straßenhunden und frei herumlaufenden Pferden auf der Suche nach Fressbarem wieder herausgeholt wird. Die Straßen sind teilweise ohne Asphalt, also einfach nur aus Sand und Steinen, und da es hier so trocken ist, staubt es die ganze Zeit und der Sand klebt auf der Haut und man ist eigentlich von oben bis unten total "eingestaubt".

Die Hitze ist oft unerträglich, sodass zwischen 13.00 und 17.00 Uhr die Straßen wie ausgestorben sind, da alle eine "Siesta" halten. Mit Hitze meine ich nicht 30°, sondern schon so um die 40°.  Auch mich nimmt diese Hitze ganz schön mit und das zeigt sich dann in Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Gemeinsam mit 12 weiteren Jugendlichen mache ich mich in den nächsten Tagen auf den Weg nach Apostoles/Misiones, um gemeinsam auf Mission zu gehen. Wir werden dort verschiedene Familien besuchen, gemeinsam mit ihnen beten, plaudern, Workshops mit Kindern und Jugendlichen veranstalten und einfach die Zeit gemeinsam genießen. Zehn Tage werden wir im Ganzen unterwegs sein.

Beim nächsten Rundbrief gibt es über mein Vorhaben im Comedor und über meine Reise als Missionarin nach Misiones mehr zu lesen.

Abschließend kann ich sagen, dass es beim Einleben in eine fremde Kultur oft einfach am besten ist, Geduld zu haben -  vor allem Geduld mit sich selbst - und zu versuchen, alles, so wie es kommt, anzunehmen und das Beste aus der Situation zumachen. Ich habe gelernt, alles ein bisschen lockerer zu sehen. Nach nicht-immer- einfachen Zeiten sehe ich viele Dinge mit völlig anderen Augen und nehme mein Umfeld und die Leute um mich herum viel bewusster wahr und versuche, auch einfach mal den Augenblick zu genießen. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen mit sich, und das lässt mich ständig reifen.

 Eines ist sicher und davon bin ich 100%ig überzeugt, Gott geht den Weg mit mir und wenn meine Schritte schwerer werden dann trägt er mich.

 ·Rundbrief von Magdalena Hatzl am 03.01.2012, Argentinien/Chaco

 

Wieder daheim!

MaZ-RückkehrerInnen-Treffen im Weltdorf

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_12_maz_rueckkehrer1.jpgInsgesamt wurden  im letzten Jahr sieben MaZler/innen von den Steyler Missionarinnen und Missionaren in Österreich ausgesandt. Jetzt sind wir wieder zurück in Österreich. Das Weltdorf  in St. Gabriel/Mödling war der passende Ort, um uns über unsere Erfahrungen in den Einsatzländern und bei unserer Rückkehr in die Heimat auszutauschen und so trafen wir uns dort von 7. bis 11. Dezember.

Alle brachten Fotos aus ihren Einsätzen mit und so war durch die bunte Mischung der Länder, in die wir gesandt worden waren, die Welt zu Gast in St. Gabriel. Marlene und Géza berichteten von Bolivien, Kathi von Paraguay, Margit von Mosambik, Christina von Benin, Linda von den Philippinen und Maria von Papua Neuguinea. Nur Josef, der in Argentinien gewesen ist, konnte leider nicht dabei sein.

Die  Bibelstelle von Gottes Verheißung an Abraham erinnerte uns an unsere  missionarische Sendung in unser Einsatzland  und machte uns bewusst,  dass wir diese Sendung in der Heimat weiter leben möchten. Das  Morgenlob und die  Eucharistiefeier  im vertrauten Kreis ließen uns spüren, dass wir ausgerichtet sind auf ein DU, auf die Gemeinschaft mit Gott und unseren Nächsten.

Jede/r berichtete, wie es ihr/ihm persönlich ergangen war, wo sie sich im Einsatzland einbringen konnte, wie er die Situation im anderen Land erlebt hat und wie es ihr/ihm beim Mitleben, Mitarbeiten und Mitbeten ergangen ist.

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_12_maz_rueckkehrer2.jpgWir tauschten uns aus, wie wir die häufig ganz anderen und viel einfacheren Lebensbedingungen der Leute vor Ort erlebten und wie wir uns an die Mentalität im Einsatzland gewöhnten. Wir merkten, dass wir jetzt die  Gegebenheiten in Österreich nun mit anderen Augen sehen. So haben wir es z. B. besonders schätzen gelernt:

  • dass wir uns auch als Frauen nachts alleine in der Großstadt bewegen können;
  • dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen können, weil wir die Chance haben, jegliche Ausbildung zu wählen;
  • dass wir medizinisch so gut versorgt sind und vieles mehr.

Vieles hat jede/r anders erlebt, aber in einem waren wir uns alle einig: dass wir die Erfahrungen dieses MaZ-Jahres nicht missen möchten und hätten wir die Wahl , es nochmal zu machen, würden wir  bereits wieder im Flugzeug sitzen!

Auch kulinarisch tauschten wir uns aus:  es entstand ein vielfältiges Buffet mit spezifischen Gerichten aus unseren Einsatzländern , dass nicht nur uns, sondern auch einige erfahrene Gabrieler Missionare ins Schwärmen brachte und von der weiten Welt träumen ließ.

Im kreativen Gestalten blickten wir sowohl zurück als auch voraus. Ausgehend von den gesammelten Erfahrungen und unserem jetzigen Befinden überlegten wir, wie  unser Engagement als MaZ hier in Österreich, weitergehen kann; wie wir das, was uns wichtig (noch wichtiger) geworden ist in diesem Jahr, vor Ort  einbringen können. Wie kann der „Wind of Change" (das war das Motto der Aussendungsfeier beim Pfingstfest 2010) „weiter wehen" in unserem Alltag?

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_12_maz_rueckkehrer4.jpgWir kamen überein, dass wir kräftig mitmischen wollen in unseren Pfarrgemeinden und Gruppen; dass wir bei den verschiedensten Gelegenheiten unsere MaZ-Erfahrungen weitergeben und damit auch andere junge Leute zu einer solchen Erfahrung motivieren wollen. Wir wollen uns den Blick über den Tellerrand hinaus bewahren, global gesehen, aber auch vor Ort. Wir wollen aufmerksam sein auf die verschiedenen Gesichter der Armut und uns bewusst öffnen für die Begegnung mit den/dem Fremden in unserem Land. Der Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben Raum zu geben, gehört für uns ebenso zum MaZ-Engagement dazu.

Natürlich blieb in diesen gemeinsamen Tagen auch viel Zeit für Spaß, Spiel und Musik. Da wir eine sehr musikalische Gruppe sind, haben wir jede freie Minute genutzt, um Lieder und Spiele aus unseren Einsatzländern zu singen und das Kind in jeder/m von uns aufleben zu lassen.

Den Abschluss bildete die  ökumenische Weltdorfnacht in St. Gabriel, bei der wir uns an unsere Verantwortung für die Welt erinnerten und  miteinander feierten nach dem Motto: Trau dich zu teilen und jeder hat mehr! (mehr dazu unter: http://www.steyler.at)

Am Sonntag machten wir uns wieder auf den Weg, jede/r auf ihren/seinen Weg, aber nie allein, denn Gott fordert auch uns wie Abraham auf: „Geh deinen Weg vor mir, und sei ganz." (Gen 17, 1). 

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_12_maz_rueckkehrer3.jpg(MaZ-Jahrgang 2010)

 

MaZ-Bericht von Christina aus Benin, Juli 2011

Liebe Familie! Liebe Verwandte! Liebe Freund/inn/e/n, Bekannte und an meinem Einsatz Interessierte!
 
Alafia? (= Wie geht es euch?) Tea seh? (= Und der Familie?) Mamamam? (= Und wie siehts mit der Gesundheit aus?) Mit dieser Lokpa-Einleitung grüße ich euch alle wieder einmal sehr herzlich aus Ouaké, Benin. Meinen letzten Rundbrief habe ich mit dem Versprechen beendet, euch noch kurz mein Weihnachten in Afrika zu schildern. Da mittlerweile schon der Juli die Startlinie überquert hat, werde ich das in der aller gebotenen Kürze erledigen.
 
tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_07_maz_bericht_benin2.jpgWährend der Weihnachtsfeiertage bis zum 6. Jänner hatte ich einen ganz lieben Besuch aus Österreich. Wir haben gemeinsam bei uns in Ouaké Weihachten gefeiert. Am 25. 12. war dann der Bischof bei uns in der Pfarre, um mehreren Personen jeglichen Alters das Sakrament der Taufe zu spenden. Nach den Feiertagen hatte ich noch die einmalige Gelegenheit mit Petra eine Rundreise durch Togo und Benin auch mit einem kurzen Abstecher nach Ghana zu machen. Ich habe diese Tage wirklich genossen, da sie für mich eine einmalige Chance waren Afrika auch mal von der eher touristischen Seite her kennenzulernen. Zwischen UNESCO-Weltkulturerbe, Fetischmärkten, Cape Coast, Kwameh Krumah Park, einer „schwimmenden Stadt“ u. v. m. verging die Zeit dann auch viel zu schnell. So gerne ich auch in den Dörfern bin und dort meine pastorale Arbeit mache, war es für mich auch ein schönes Erlebnis und eine einmalige Chance auch einmal das andere Gesicht Afrikas zu sehen: Mit all den landschaftlichen Schönheiten sehen viele afrikanische Länder im Tourismus sowieso einen sehr zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig. Wenn diese Entwicklung nicht mit Gewalt vor sich geht, wenn Kultur und Traditionen der Menschen dadurch nicht verlorengehen, kann ich dem nur zustimmen.
Während meiner Abwesenheit gab es in der Pfarre noch eine „Session pour les enfants“. Mit einem geringen Selbstkostenbeitrag konnten die Kinder 4 Tage in der Pfarre verbringen. Neben Freude und viel kulturellen Aktivitäten (Gesänge und Tänze) kam auch der Bildungsaspekt nicht zu kurz: Es wurden biblische Filme projiziert und die Kinder wurden u. a. darüber aufgeklärt wie wichtig persönliche Hygiene für ihre Gesundheit ist. Von der Rundreise ziemlich müde bin ich am 6. 1. wieder in Ouaké angekommen. Mit etwas Verspätung sind dann am 9. 1. auch die Kinder der Pfarre ausgerüstet mit einem Stern aus Silberpapier und 2 Transparenten im Pfarrgebiet herum marschiert, um die Frohe Botschaft von der Geburt von Jesus zu erzählen. Aber wie ich auch schon beim Erntedankfest am 1. Adventsonntag feststellen konnte: Die Uhren laufen hier manchmal anders, und es stört auch niemanden Apropos Umgang mit der Zeit, Zeitmanagement und Zeit, um die Seele auch ein wenig baumeln zu lassen: Das Feiern kommt bei uns auch sicher nicht zu kurz. Im Jänner hatten wir beispielsweise die beiden Gründerväter der SVD: Arnold Janssen und Joseph Freinademetz zu feiern. Wie schon im letzten Rundbrief ausführlich beschrieben, bin ich ja dreimal in der Woche in meiner CEB (= kirchliche Basisgemeinde) Sonate. Einen Tag verfrüht haben wir am 14. 1. dort auch ein großes Fest gefeiert, zu Ehren von Arnold Janssen, den sich die CEB als Patron ausgesucht hat. Begonnen haben wir mit einer Messe, bei der Sr. Katarina und ich als CEB-Verantwortliche dem Präsidenten und dem Katechisten der CEB je eine Bibel in Lokpa und eine Bibel in französischer Sprache als Geschenk überreicht haben. Mit Reis, Akassa, verschiedenen Soßen, Fisch und Fleisch (= Zeichen eines großen Festes), Sucrerie und wichtig ganz viel tschukutou (= traditionelles Bier) haben wir dann den Unterhaltungsteil eingeläutet. Es war wirklich ein gelungenes Fest und das Fest hat auch noch ganz spezielle Früchte getragen: Eine Muslimin, die in der Nachbarschaft wohnt, war von der Messe und der anschließenden Feier so angetan, dass sie sich von sich aus näher mit dem christlichen Glauben beschäftigen wollte: In der Zwischenzeit ist sie regelmäßig bei der Katechese und war sogar auch schon mal bei uns in der Kirche! Im Jänner haben wir außerdem mit unseren 2 Katechesegruppen (1. Jahr) ein kleines Zwischenexamen gemacht, um uns ein Bild über ihren Wissensstand zu machen.
 
tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_07_maz_bericht_benin3.jpgWas hat sich sonst noch so getan? Bzw. was könnte für euch noch interessant sein?
Im Zuge der Errichtung eines neuen Hauses für eine Schwesternkommunität in der Region, habe ich aus vielen Erzählungen die Probleme mit europäischen Geldgeber/inne/n recht gut mitbekommen. Neben Fragen der Zuständigkeit und wer zahlt wofür, ging es auch um die Verträge der Arbeiter/innen. Wäre die Verantwortungsübergabe für den Erhalt des angrenzenden Krankenhauses von einer europäischen NGO an die Schwestern nicht bis zu einer gewissen Frist erfolgt, hätten alle einheimischen Mitarbeiter/innen gekündigt werden müssen. Für die Schwestern zu arbeiten, bedeutet hier eine relativ krisensichere Stellung zu haben und ein regelmäßiges Einkommen zu beziehen – was hier in Westafrika nicht wirklich viele Menschen von sich behaupten können. Die Mitarbeiter/innen wären folglich mit nichts auf der Straße gestanden. Auch die Bürokratie vor Ort mit den ganzen Fristen macht solche Prozesse nicht einfacher. Diesmal ist noch alles gut gegangen, aber die Abhängigkeit von ausländischen Geldgeber/inne/n bleibt bestehen.  In Ouaké, unserer direkten Nachbarschaft wohnt ein traditioneller Heiler, gueriseur, den ich auch schon besucht habe. Auch wenn die Zusammenarbeit bzw. die Koexistenz mit der Schulmedizin nicht immer einfach ist, hat er mit seinen Pasten, Umschlägen und mit seinen speziellen Massagen schon sehr vielen Leuten geholfen. Ein Gueriseur wird auch oft in Naturalien, d. h. mit einem Huhn, mit Eiern oder sonstigem bezahlt und nicht mit Geld. Das ist für viele Menschen hier um einiges einfacher, als das Geld für Arzt- oder geschweige denn Krankenhausbesuche aufzubringen. Der Themenkomplex Fetische und Zauberei begegnet einem hier auf Schritt und Tritt: Sei es wenn wir in der Sakramentenvorbereitung mit unseren „SeniorInnen“ von ihrem früheren Glauben sprechen noch bevor sie das Christentum kennengelernt haben, sei es wenn ein junger Bursch an Epilepsie leidet und die Familie möchte ihm einreden, daran sei ein fauler Zauber schuld, usw. Wie schon gesagt: In dieser Region hier muss man wirklich noch von Erstevangelisierung sprechen, d. h. die Frohe und befreiende Botschaft von Jesus hat hier noch nicht lange Fuß gefasst. In Streitfällen, wenn z. B. jemand behauptet eine alte, alleinstehende Frau aus dem Dorf sei schuld am Tod eines Kleinkindes (ein Fall, der öfter vorkommt), tritt der Priester oft als Vermittler und Mediator zwischen den streitenden Parteien auf.
Von der Schwesternkommunität aus Bassar habe ich 3 große Kisten voll Bücher in deutscher Sprache bekommen, die ich schließlich gleichmäßig auf die Bibliothek des CEG (ecole secondaire) und eine andere Bibliothek, die ein junger deutscher Freiwilliger hier betreut, aufgeteilt habe. Hier in Togo-Benin haben ja mittlerweile auch schon die großen Ferien begonnen. Trotzdem hoffe ich, dass die SchülerInnen auch in den Ferien fleißig lesen. Die Leseschwäche nicht nur der Kinder, sondern auch der schon älteren Jugendlichen ist schon sehr eklatant! Mit den offiziellen Zahlen bzgl. der Alphabetisierungsrate im Land ist das ja immer so eine Sache. Die 50 % Marke wird denke ich bei weitem überschritten.
tl_files/missionsschwestern/file_uploads/maz/11_07_maz_bericht_benin.jpgWie ich schon mehrfach berichtet habe: HIV/Aids ist hier ein riesengroßes Problem. Die Sorge um die HIV/Aids-Erkrankten im Pfarrgebiet liegt den Schwestern sehr am Herzen. Unabhängig von Religion und Lebensstandard kommen die Erkrankten zu den Schwestern, manchmal nur um zu reden, sich Ratschläge oder natürlich auch finanzielle Unterstützung zu holen. Wenn die Leute untereinander reden ist jemand immer nur „schwer krank oder plötzlich aus unerfindlichen Gründen sehr schwach geworden“. „HIV-infiziert oder an AIDS erkrankt“ ist fast niemand. Die Krankheit wird schlichtweg nicht beim Namen genannt, aus Scham totgeschwiegen. Wenn dann z. B. die jungen Burschen nach Nigeria aufbrechen, um für eine gewisse Zeit (natürlich illegal) auf einer großen Farm zu arbeiten, um sich genug Geld für ein eigenes Motorrad zu verdienen, erhöht sich die Gefahr ungemein, dass sie mit dem Virus im Körper zurückkehren. Dasselbe gilt für die jungen Mädchen, die hier von Benin aus oft nach Nigeria aufbrechen, um Geld zu verdienen. Welche Chancen es für junge Mädchen ohne abgeschlossene Schul- geschweige denn Ausbildung gibt, legal und sicher Geld zu verdienen, könnt ihr euch selber ausmalen. Wenn dann das offizielle – positive – Testergebnis da ist, gilt oftmals die Devise: „Wenn ich schon sterben muss, dann will ich das nicht alleine tun!“ D. h. von diesen Personen wird der Virus wissentlich an viele andere Personen weitergegeben. Die Kosten für Aids-Tests und die antiretroviralen Medikamente, mit denen HIV/Aids-Erkrankte ein relativ normales Leben führen können, würde der Staat ja übernommen, was meiner Meinung nach schon ein Schritt in die richtige Richtung ist. Ich denke die Aufklärung über diese Krankheit muss auch in Zukunft unermüdlich weitergehen. Nur so lebt die Chance, dass die Menschen verantwortungsvoll mit ihrem Körper umgehen lernen.
Die Karwoche und die Ostertage waren irrsinnig schön für mich. Ich habe alle Messen in den Außenstationen in den kleinen Kapellen mitgefeiert und die Stimmung war einfach überwältigend!
Am Ostermontag galt es bei uns in der Pfarre Sonahoulou ein Jubiläum zu feiern. Paul und Pauline, beide sind als Katechisten auf vielfältigste Weise in der Pfarre engagiert, haben ihren 25. Hochzeitstag gefeiert. Es gab eine Festmesse mit dem Generalvikar und anschließend noch ein rauschendes Fest auf dem Gelände der angrenzenden Schule. In einem Umfeld in dem nur die wenigsten Christen kirchlich verheiratet sind, sind die beiden wirklich ein Vorzeigeehepaar.
1.Mai: Patronatsfest der Pfarre und Einweihung der neuen Instrumente, die ein Gönner der Pfarre gespendet hat.
 
Es gäbe noch viel mehr zu schreiben, aber aus Platz- und Zeitmangel verschiebe ich das auf die persönlichen Gespräche.
Am Sonntag 3. Juli gab es in der Pfarre eine Abschiedsmesse für Sr. Franziska und für mich. Sr. Franziska verbringt jetzt noch einige Tage bei ihren Eltern in Ghana und dann wartet in Ghana noch eine intensive Exerzitienwoche auf sie. Anschließend geht es für sie dann 1 Jahr lang auf die Philippinen, bevor sie endgültig die Ewigen Gelübde ablegen wird. Wir beide haben in der Kirche noch unsere „Abschiedsreden“ vorbereitet, für die wir von der Pfarre intensiven Beifall bekommen haben. Nachher fand noch die offizielle Geschenkeübergabe statt. Menschen mit denen ich im Zuge meiner Arbeit hier gar nichts Näheres zu tun gehabt habe, haben mir ein Abschiedsgeschenk überreicht, mich umarmt, mir für meine Arbeit in der Pfarre gedankt und geweint, weil ich gehe!!! Es war ein überwältigend schönes Gefühl, aber gleichzeitig hat es mich auch ein wenig traurig gemacht. Wenn dich Kinder mit großen Augen ansehen und fragen: “Du kommst aber schon wieder zurück?“ … das ist mir schon sehr zu Herzen gegangen. Die Kinder und die Pfarrjugend haben nach der Messe noch lautstark in der Kirche gesungen und gemeinsam mit den Schwestern habe ich natürlich vollauf mitgemacht, mitgetanzt und mitgeschunkelt. Wieviele Runden wir in einer Menschenschlange um den Altar gedreht haben, weiß ich nicht mehr genau. Aber es waren zahlreiche. Dann gabs für uns beide auf der SVD-Veranda noch einen Empfang mit dem Pfarrgemeinderat, bei dem natürlich das obligatorische tschukutou (= traditionelles Bier) nicht fehlen durfte! Da ich auch eine halbe Kalabasse getrunken habe, ging es dann auch leichtbeschwingt nachhause, wo wir noch zu Mittag gegessen haben. Am Nachmittag war an eine Siesta oder sonstige Ruhephasen nicht wirklich zu denken, da minütlich neuer Besuch gekommen ist, der „ein letztes Mal vorbeischauen wollte“, um v. a. mit Franziska noch einmal zu reden, die am nächsten Tag Ouake verlassen hat. Am Abend gingen die Abschiedsfeierlichkeiten bei den SVD-lern weiter.
Beschenkt mit zahlreichen pagnes, traditionellen tissues, und wunderbaren Erfahrungen mit faszinierenden Menschen brechen nun also wirklich meine letzten Tag hier in Ouake, Benin an. Am 15. Juli verlasse ich Benin in Richtung Lomé. Dort werde ich noch letzte eventuelle Besorgungen machen, bevor dann am 23. Juli abends mein Flug zurück nach Österreich geht.
 
Dieses knappe Jahr hier in Afrika war für mich ein unvergleichlich schönes Jahr, das mich in meiner ganzen Persönlichkeit bereichert und verändert hat.
Liebe Familie! Liebe Verwandte! Liebe Freunde, Bekannte und an meinem Einsatz Interessierte!
Ich danke euch allen sehr herzlich für euer Interesse an meinem Einsatz, für eure Hilfe und Unterstützung. Ich bitte euch nur die unregelmäßige Kommunikation zu entschuldigen. Aber eines kann ich versichern: Wenn sie auch nur recht unregelmäßig gekommen sind: Jeder Rundbrief kam vom Herzen. Ich bin voll des Respekts für die Menschen hier, deren Leben so anders als das meine und nicht einfach ist. Trotzdem haben wir uns verstanden und einen Weg zueinander gefunden.
Ich denke der folgende Ausspruch von Arnold Janssen kann nicht nur als missionarisches Credo, sondern auch für unseren Alltag gelten:
Wenn wir all das tun, was in unseren Kräften steht, dann tut Gott das übrige!
 
Danke und eso emo = Gott segne euch!
 
Ich freue mich schon riesig euch alle wiederzusehen!

MaZ-Bericht von Margit aus Mosambik, Juli 2011

Ein Jahr ist schnell um

… und so heißt es jetz schon ans Abschiednehmen denken.

Am 16 Juli werde ich im Morgengrauen von Monapo aufbrechen. Nach ein paar Tagen in Maputo werde ich am 23 Juli um 9.30 am Flughafen ankommen.  Wer möchte, kann mich gleich am Flughafen begrüßen, anschließend werde ich einige Tage mit meinen Eltern und meinen Geschwistern verbringen.

Ich freue mich schon, euch alle wieder zu sehen!
Bis bald!
Margit


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