Rundbrief Rumänien und Moldawien, Dezember 2011

"Vor Gott muss man sich beugen,
weil er so groß ist, vor dem Kinde,
weil es so klein ist.
Wie tief muss man sich erst beugen,
weil Gott ein Kind geworden ist."

Peter Rosegger

Liebe Freunde und Wohltäter unserer Mission in Rumänien und der Republik Moldau!

Wir stehen wieder neu in Freude und Ehrfurcht vor dem Geheimnis der Menschwerdung. Es ist und bleibt unfassbar, warum der große Gott, der Herr über allen Herren, auch der Herr unserer Zeit, und der Schöpfer und Urheber aller Dinge, herabgestiegen ist in unsere Begrenztheit und ein hilfloses Kind geworden ist. Allein Seine Liebe konnte ihn dazu bewegen. So beugen wir uns in Demut und Dankbarkeit vor dem Kind in der Krippe und vor Seiner Liebe zu uns.

Nun ist es wieder an der Zeit, dass wir Ihnen ein wenig berichten, was sich bei uns so getan hat. Es gab in diesem Jahr wieder ziemlich viel Bewegung in unseren Gemeinschaften. Im Sommer gingen Sr. Theresia und Sr. Maria Angela nach Indonesien in Heimaturlaub. Während dieser Zeit erhielt Sr. Maria Angela Rückversetzung in ihre Heimatprovinz Java. Wir sind ihr dankbar für ihren engagierten Einsatz als Krankenschwester bei den Menschen in und um Roman und für die Kreativität, mit der sie unsere Gemeinschaft bereichert hat.

Im Juli kam Sr. Lioba Brand aus Deutschland und verstärkt seitdem unsere Gemeinschaft. Sie bringt reiche Erfahrungen mit von ihren Einsatzbereichen in New Guinea und in Deutschland, und dieser Schatz kommt ihr und uns und mit der Zeit auch den Menschen hier zugute. Inzwischen verwendet sie schon recht mutig und manchmal auch drollig das gelernte Rumänisch und setzt vor allem in der Küche und im Garten ihre vielen Energien, Ideen und Erfahrungen ein.

Anfang August kam Sr. Patrizia von ihrem Sabbatjahr in England zurück. Mit Beginn des neuen Schuljahres übernahm sie die Sorge für unsere Internatsmädchen in Roman, doch nicht ohne vorher die Internatsräume nett und wohnlich herzurichten. Zur Zeit sind es zehn Mädchen, die aus den umliegenden Dörfern kommen und in Roman ein Gymnasium besuchen. Sie sind fast alle sehr lerneifrig, denn es ist ihnen bewusst, dass ein guter Schulerfolg entscheidend ist für eine in etwa gesicherte Zukunft. Sr. Patrizia begann auch hier in Roman, nach dem Beispiel und der guten Erfahrung von Răducăneni, eine Gruppe aus Familien aufzubauen, in denen Alkoholkonsum ein Problem geworden ist und die es überwinden möchten. Zwei bis drei Familien sind es, die sich auf diesen Weg gemacht haben und die einmal wöchentlich zum Gespräch kommen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres hat auch Sr. Anahi hier in Roman ein neues Apostolat begonnen, und zwar in der Prävention gegen Menschenhandel, bzw. Zwangsprostitution. Sie geht mit einer Schwestern einer anderen Kongregation und einem Polizisten in die Schulen, um die Schüler auf die Gefahren in diesem Bereich aufmerksam zu machen. Langsam entsteht auch in Rumänien ein Netz von Ordensfrauen und Laien, die zusammen arbeiten in der Bewusstseinsbildung, aber auch in der Hilfe für die Opfer.

In Răducăneni sind zur Zeit leider nur noch zwei Schwestern, Sr. Serafin und Sr. Maria Chiara. Ihre Hauptsorge sind die Kinder, die nach wie vor recht gerne zu den Treffen kommen. Man spürt dort die Tradition, die sich in den 16 Jahren aufgebaut hat, wo die Eltern ihre Kinder ermutigen, zur PIM (Freunde Jesu und Mariens) zu gehen, weil sie selber schon gute Erfahrungen damit gemacht haben. Bei diesen Treffen wird die Kindermesse für den folgenden Sonntag vorbereitet mit Lieder üben, Lektoren aussuchen, über das Evangelium sprechen. Danach folgt immer auch eine Zeit für gemeinsames Spiel.

In Orhei ist es die Suppenküche, die den beiden Schwestern Michael und Gabriela die Möglichkeit gibt zum Kontakt mit den Menschen. Dort kommen hauptsächlich alte Leute zum Essen, aber auch einige arme Kinder. Im Sommer haben die Schwestern zusammen mit den Steyler Patres und einigen Jugendlichen ein Sommerlager für Kinder veranstaltet. Da es dort keine katholischen Kinder gibt, war es recht unsicher, ob die Eltern ihre Kinder schicken würden, denn nach Meinung der orthodoxen Christen haben wir den falschen Glauben. Doch es kam eine nette Gruppe von ca. 35 Kindern zusammen. Langsam wächst das Vertrauen der Menschen. Auf dieser Basis begannen die Schwestern vor kurzem, für Kinder einen Spielenachmittag anzubieten.

In diesem Jahr mussten wir Abschied nehmen von einem der beiden ersten Steyler Missionare, die nach dem Ende des Kommunismus nach Rumänien gekommen waren, P. Alberto Marson. In den genau 20 Jahren war P. Alberto im ganzen Land unterwegs gewesen, um Exerzitien zu geben und Einkehrtage zu halten. Er hat auch entscheidend mit beigetragen zur Gründung, dem Aufbau und der geistlichen Betreuung der „Katholischen Aktion", die immer noch sehr lebendig ist unter Jugendlichen und Erwachsenen. All das konnte ja erst so richtig nach dem Zusammenbruch des Kommunismus beginnen. Er war vor allem auch ein gesuchter Beichtvater für Priester, Ordensleute und Laien. Er war schon mehrere Jahre herzkrank gewesen. Im Mai dieses Jahres wurde sein Gesundheitszustand so ernst, dass er schweren Herzens nach Italien ins Provinzhaus übersiedelte. Doch seine Kräfte waren ganz einfach aufgebraucht und am 5. Oktober holte ihn der Gute Hirte zu sich heim. Möge der Herr ihm alles reichlich vergelten, vor allem auch seine väterliche Sorge für uns, seine Mitschwestern, vom Anfang bis jetzt.

Von Herzen wünschen wir Ihnen allen ein gnadenreiches Fest der Geburt des Herrn. Möge uns die demütige und liebende Anbetung des menschgewordenen Gottessohnes ganz tief mit Ihm und miteinander verbinden.

In dankbarer Verbundenheit grüßen Sie
die Schwestern von Rumänien und der Republik Moldau

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